Der Weg in die Zukunft: Von A nach D über B oder C
Viele Straßen führen ans Ziel. Öffnet man aber eine neue, effizientere Strecke, ist sicher, dass sich der Verkehr genau dort konzentrieren wird und die Entlastung zunächst ausbleibt. „Das Braess Paradox ist eine Konstante“, erklärte Prof. S. Travis Waller bei seiner universitätsweiten Antrittsvorlesung am 16. Juni, „doch eigentlich sind unsere Verkehrssysteme außerordentlich komplex, weil sie vom Eigennutz der Teilnehmenden bestimmt werden: Wegen unserer individuellen Ziele laufen wir auch mal diagonal oder an einem beliebigen Punkt über die Straße. In automatisierten Simulationen lassen sich spontane Entscheidungen und Vorlieben nur schwer repräsentieren.“
Damit der Verkehr der Zukunft dennoch gerecht und nachhaltig konzipiert werden kann, stellen sich Prof. Waller und sein Forschungsteam dieser Herausforderung an der Exzellenzprofessur für Verkehrssystemmodellierung an der Fakultät Verkehrswissenschaften „Friedrich List“ der TU Dresden. Ihr Ziel: Bedingungen wie Klima, menschliche Entscheidungsfindung, Gesundheitsrisiken oder wirtschaftliche Hintergründe von Individuen in mathematischen Formeln auszudrücken. „Die größte Disruption im System bilden die Verkehrsteilnehmenden selbst. Um den Verkehrsfluss effektiv aufrechtzuerhalten, müsste menschliches Verhalten vorhersagbarer ablaufen“, erklärt Waller.
Kosten wären ein Aspekt, durch den die Gleichverteilung reglementiert werden könne. So ließen sich beispielsweise Mautgebühren als „agent based system“ individuell kalkulieren, um sozialer Ungerechtigkeit vorzubeugen. Blitzschneller Kauf und Verkauf von kleinen Straßenabschnitten, auf denen man sich gerade befindet, per Blockchain ist ein anderer Ansatz, den Prof. Waller im Zusammenhang mit der automatisierten und vernetzten Mobilität verfolgt. „Der Verkehr wird transformiert durch Technik und gesellschaftliches Bewusstsein. Die spannende Herausforderung an unserem Ansatz ist, durch die Mathematik und durch die Mischung verschiedener Technologien den Übergang in die Zukunft zu gestalten. Entscheidend ist allerdings, auf welche ethischen Werte wir uns jetzt verständigen, um sie dann zu verfolgen.“
Der renommierte US-Australische Forscher wird an der TU Dresden vor allem den Potenzialbereich "Automatisierte und vernetzte Mobilität" mitgestalten, der die Entwicklung effizienter, sicherer, intelligenter und nachhaltiger Verkehrssysteme fokussiert (siehe Artikel im Online-Magazin "Verkehrslage").
"How We Move into the Future" - Antrittsvorlesung von Prof. S. Travis Waller in voller Länge
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Originalautor
Magdalena SelbigDer Potenzialbereich fokussiert die Gestaltung effizienter, sicherer und intelligenter Verkehrssysteme. Transport und Mobilität werden unter der normativen Vision nachhaltiger Entwicklung neu gedacht. Die Forschung zu neuen automatisierten und vernetzten Technologien wird von der Forschung zu Nutzerbedürfnissen und Mobilitätsdienstleistungen angetrieben und inspiriert diese gleichzeitig.
Für diesen integrativen Forschungsanspruch wurden fünf Schwerpunktbereiche definiert: Technologische Innovationen; Nutzerbedürfnisse & Mobilitätskonzepte; Governance & Übergangspfade; übergreifende Forschungs- & Simulationsmethoden und Forschungslabore & Fahrsimulator.
Nachhaltigkeit und Ethik in der Mobilität der Zukunft: #Introducing S. Travis Waller
Leiter Exzellenzprofessur für Verkehrssystemmodellierung
Fakultät Verkehrswissenschaften „Friedrich List“
TU Dresden